INTERVIEW TEIL 2

Dieser Herr hier ist zuständig für die Bühnenmonitore im Colos-Saal

xxx

Gibt es nach all den Jahren immer noch Gruppen, die total überraschen in Punkto Qualität?

Ja, klar. Ständig. Wer mich total überrascht hat, war beispielsweise Beth Hart. Ich fühlte, das könnte ein toller Act sein. Und dann haben wir sie engagiert und es hat sich rausgestellt, dass gar keine Band engagiert war, sondern ein Duo. Im ersten Moment war ich etwas traurig, weil ich eine tolle DVD von Beth Hart mit Band hatte und dann will sie im Duo kommen. Aber beim Konzert war schnell klar, das es sogar noch geiler war. Diese Frau hat dermassen Esprit und Ausstrahlung gehabt und eine besondere Körpersprache auf der Bühne. Da konnte ich nur sagen: “Faszinierend.” Ich war richtig geplättet. Die braucht gar keine Band.

Auf der Webseite sagst Du, dass Du selber mal Instrumente gespielt hast. Spielst Du noch und findest Du überhaupt noch Zeit dazu?

Ja, aber nicht öffentlich. Ich bin ein ambitionierter Dilettant. Ich spiele Gitarre und Bass, aber nachdem ich hier ständig von Profis vor Augen geführt bekomme, wie man diese Instrumente wirklich spielt, mache ich das nicht mehr in der Öffentlichkeit (lacht). Später habe ich dann mehrfach etwas Eigenes gemacht, was sich teilweise als Prog Rock herausgestellt hat. Nur damals wussten wir das noch nicht. Als Student war ich von der Neuen Deutschen Welle beeinflusst, danach habe ich als Bassist Latin-Jazz gespielt. Bei den Blues Brothers, die vorgestern bei uns aufgetreten sind, habe ich mal zwei Jahre lang im Chor gesungen. Es gab aber auch noch andere zahlreiche Projekte.

Und privat hörst Du dann wohl quer gemischt?

Ich bin in der Breite aufgestellt. Das wirkt sich dann auch als einer der Vorteile des Programms im Colos-Saal aus. Ich höre privat sehr viel und vor allem muss es immer neu sein. Ich brauche immer frisches musikalisches Blut. Ich höre ganz selten mal alte Sachen. Ich habe auch eine unglaubliche Sammlung, aber das Meiste bleibt einfach stehen, spätestens nachdem ich es dreimal gehört habe. Mittlerweile habe ich auch die Klassik für mich entdeckt.

Die Crossover Klassik?
Ne, die richtige Klassik.

Also keine Sachen wie die von David Garrett oder Katherine Jenkins.

Ne, also wenn ich von Klassik rede, meine ich jetzt nicht Paul Potts (lacht)

Das Interview fand öffentlich statt vor rund 400 Besuchern auf der Bühne im Colos-Saal. Wir Ihr seht, hören alle ganz gespannt zu (nein, okay, war jetzt ein Scherz von mir)

Wie siehst Du denn die musikalische Entwicklung über all die Jahre? Du hast ja auch alles miterlebt von Woodstock bis zur jetzigen Zeit.

Na ja, bei Woodstock war ich gerade mal acht Jahre alt. Woodstock und die Folgen waren natürlich schon wichtig, weil ich über ältere Freunde die entsprechende Musik bekommen habe. Jimi Hendrix, Ten Years After. Ich habe diese Phase nicht richtig miterlebt, aber nachempfunden. Es dauerte doch 5 - 6 Jahre seit Woodstock, bevor meine musikalische Entdeckungsphase startete. Das war so Mitte bis Ende der 70er mit Bands wie Slade und Sweet - ich war dann aber schnell davon gelangweilt. Ich habe ziemlich bald die “Inner Mountain Flame” von John McLaughlin gekriegt. Das war das Härteste, das es damals gab im Jazzrock Bereich. Das hat mich wesentlich mehr fasziniert. Damit waren dann auch die Weichen gestellt zwischen den Greatest Hits von K-Tel - meiner ersten Platte - und John McLaughlin - meiner vierten Platte. Aber schon als Jugendlicher habe ich die komplette Palette von damals zugänglichen Stilrichtungen in Pop, Rock und Jazz gehört.

John McLaughlin hat ja damals sogar Open Airs gespielt mit Wishbone Ash und Letztere haben auch schon im Colos-Saal gespielt.

Ja. John McLaughlin hat auch bei mir gespielt. Sweet und Slade und Uriah Heep auch. Das schöne ist, dass ich viele von den Bands, die ich immer hören und sehen wollte, hier einfach ins Haus geholt habe. Es fehlen noch einige, die auf meiner Liste stehen wie Stevie Wonder oder Earth, Wind & Fire. Letztere hätte ich kürzlich fast gehabt, aber das war nur eine halbe ehemalige Besetzung ohne die massgeblichen Figuren und das wollte ich dann doch nicht. Pat Metheny, ein persönlicher Wunsch - an dem arbeite ich noch - aber der spielt derzeit nur in grösseren Hallen. Jan Garbarek hätte ich gerne, der spielt aber auch nur Hallen oder Kirchen. Wayne Shorter wäre schön. Sein ehemaliger Mitmusiker Joe Zawinul war bereits mehrere Male da. Gino Vanelli steht auch noch auf meiner Liste.

Ist es schon mal vorgekommen, dass überhaupt niemand gekommen ist zu Euren Konzerten?

Nein, aber es ist schon mal vorgekommen, dass nur 20 oder 30 da waren, das ist natürlich gar nicht toll. Wir haben ja bereits über 1.000 Euro Kosten, nur wenn wir die Türe aufmachen. Da kommt noch die tägliche Gage hinzu. Ich arbeite hier mit Festangestellten und nicht wie viele Andere mit Aushilfen. Da bin ich auch sehr Stolz darauf. Ich habe ursprünglich mit 2 Leuten angefangen. Ich buche das Programm mittlerweile nicht mehr völlig alleine. Rock ist nicht unbedingt mein Fall, da habe ich starke Hilfestellung durch unseren zweiten Rocker Matthias Garbe. Ich war persönlich in den 80ern und 90ern relativ weit entfernt vom Rock, aber er ist ein grosser Kenner der Szene. Heute ist das anders, aber damals habe ich mehr Jazz oder Black Music gehört. Mittlerweile bin ich - auch durch meinen Sohn bedingt - in Sachen Rock wieder ganz gut auf dem Laufenden.

Spielt Dein Sohn auch ein Instrument?
Nein, er ist aber ein leidenschaftlicher Sammler.

Wieviel Exemplare hast denn Du selbst in Deiner Sammlung

Keine Ahnung. Ich habe schon mehrfach Platten oder CDs aus Platzgründen in den Keller gestellt. Die höre ich dann gar nicht mehr an. Heute versuche ich es mit digitalen Medien, weil die vom Handling natürlich viel einfacher sind. Wenn eine CD kommt, dann ziehe ich die auf meinen Rechner, bringe das Original hierher mit und verschenke sie eventuell sogar.

Was war denn das verrückteste Erlebnis, das es hier im Colos-Saal gegeben hatte. Gab es mal eine Band, die negativ aufgefallen ist. Du musst auch keinen Namen nennen.

Da sage ich Dir sogar gerne einen Namen. Michael Schenker kommt mir nicht mehr ins Haus und WASP mit Sicherheit auch nicht. Das waren Bands, bei denen wir einen riesigen Produktionsaufwand hatten. Wir hatten alles aufgebaut und die Band und die Crew hatten das ganze Catering vernichtet und dann kam im Falle Schenker um 17 Uhr die Meldung: “Oh, der Herr Schenker hat einen Zusammenbruch gehabt und er sitzt jetzt in der Klinik. Später hat sich dann herausgestellt, dass der Grund für den Zusammenbruch eine Flasche Wodka war - das Konzert wäre komplett ausverkauft gewesen.

Wir mussten uns dann abends hinstellen und die Situation den vielen Besuchern erklären. Die meisten haben es auch verstanden - wir haben denen dann halt das Geld logischer Weise wieder aus bezahlt. Bei WASP kam die Meldung noch viel später - um 19 Uhr abends. Wir hatten auch alles aufgebaut. Der Bus stand auf dem Vorplatz im Brauereigelände und der Sänger hat sich geweigert, heraus zu kommen und keiner wusste, warum das so war. Also - diese zwei Bands können mir gestohlen bleiben.

Hier geht es zu Seite 3 des Interviews