INTERVIEW MIT CLAUS BERNINGER

Claus Berninger - Colos-Saal Aschaffenburg Pressefoto

Er ist Musiker, Musikliebhaber, Geschäftsinhaber des erfolgreichen Musikklubs “Colos-Saal” und dafür verantwortlich, dass Musikfans in Unterfranken Weltstars wie Mike Stern, John McLaughlin, Uriah Heep, Edgar Winter, David Knopfler, Eric Burdon, James Blood, Raemonn, Bootsy Collins, Angelique Kidjo, Chaka Khan, David Sanborn, Robert Cray und viele andere erleben durften. Mittlerweile wird sein Klub von Musikfans aus ganz Deutschland besucht.
Dr. Music freut sich, die schillernde Persönlichkeit Claus Berninger präsentieren zu dürfen.

(Und jetzt - in der Festhalle von Frankfurt ... ) *

Claus Berninger - Das Interview

In Aschaffenburg gab es einmal ein Lokal namens “Klimperkasten”. Hat das mit dem Colos-Saal in irgendeiner Art und Weise zu tun?

Der “Klimperkasten” war ein eigenes Musik-Lokal und der direkte Vorgänger vom Colos-Saal. Wir haben vor genau 25 Jahren angefangen mit dem “Klimperkasten” und eigenen Veranstaltungen dort. Der Klub war im Nachbargebäude, wo jetzt die “Aloha-Bar” ist. Wir sind dann vor etwa 17 Jahren ins Nachbarhaus umgezogen und hatten hier im Colos-Saal damit die doppelte Kapazität.

Danach war ich dann wohl das erste Mal in den 90er Jahren gleich im Colos-Saal gewesen bei Candy Dulfer.

Der “Klimperkasten” hatte das gleiche Konzept, hatte zunächst nur wenig Programm, aber in der Endphase hatten wir dann auch schon vier bis fünf Acts pro Woche.

Wie ist denn der Name COLOS-SAAL entstanden? Ist das in Anlehnung an das römische Colosseum oder hat man einfach gedacht, “Unser Programm ist so kolossal”?

Das ist etwas kompliziert. Da gab es zwei Zufälle nebeneinander. Wir hatten als Namen für unser Programmheft den Titel “Brot und Spiele” ausgewählt. Auf der einen Seite machen wir ein kommerzielles Programm und Entertainment, auf der anderen Seite ein sehr Anspruchsvolles. Als wir uns dann für “Brot und Spiele” entschieden hatten und darüber natürlich gedanklich beim Römischen Colosseum landeten, war auch ein Grafiker am Tisch, der dann spontan aus dem Coca-Cola Schriftzug das Wort Colos-Saal gezeichnet hat. Sprich: Wir hatten innerhalb von 15 Minuten unser Leitmotiv und unseren Namen. (Hermann Rack vom Team wirft ein: “An der Theke ersonnen”)

(Darauf hin entgegnet Claus) Ich war nüchtern, der Rest war besoffen (Grosses Gelächter im Raum). Aber der Titel für das Programmheft, nämlich “Brot und Spiele” kommt definitiv von meiner Frau.

Also ich finde den Namen obercool und ich denke oft, wenn ich Euer Programm aus der Ferne, also im Internet sehe “Am liebsten würde ich Aschaffenburger werden”.
Du wirst lachen, da sind schon Leute deswegen hergezogen. Ich alleine weiss von 2 Musikern, die sich hier angesiedelt haben. Der eine kam aus Amsterdam, der hat sich verliebt und ein paar Musiker haben ihre künftigen Ehefrauen hier gefunden. Aber es gibt auch Leute, die sagen, Aschaffenburg ist so kulturhaltig und weil ihnen das gefiel, sind die hier hergezogen.

Das Programm, das Ihr hier anbietet, kann sich locker mit jeder Grossstadt messen. Ihr habt aber auch lokale Acts?

Ja, die wollen wir natürlich nicht vergessen bzw. nach Kräften fördern. Das hat damit zu tun, dass ich früher auch mal irgendwann Teil eines lokalen Acts war. Damals gab es noch nicht diese zahlreichen Auftrittsmöglichkeiten wie heute. Die besten Bands kommen uns auf die Bühne. Anfängerbands. Es gibt in Aschaffenburg auch einige Läden und Venues, die auf reinen Nachwuchs setzen. Wir haben einen der wenigen Rockbeauftragten hier in Aschaffenburg, der kommunal bezahlt wird. Der kümmert sich um junge Bands und spricht sich auch oft mit uns ab.

Auf Eurer Webseite gibt es die Real Music Lovers.

Das ist eher eine Daueraktion und eine Empfehlung an Real Music Lovers. Wenn wir ein Konzert unter dieser Reihe laufen lassen, bekennen wir uns glasklar zu der Qualität einer Band mit einem Angebot an den Besucher. Das heisst: Du kannst her kommen und Du zahlst Deinen Eintritt und Du kannst noch während des dritten Stückes kommentarlos gehen und bekommst Dein Geld zurück, wenn Du willst.

Wir sagen, wir haben aussergewöhnliche Qualität in dieser Rubrik. Wir stehen dazu und versprechen bei diesen Konzerten künstlerische Reife verbunden mit einer “Geld zurück Garantie”

Ist es denn schon einmal vorgekommen, dass jemand sein Geld zurück haben wollte?

Das wird gelegentlich wahr genommen. Aber ganz selten kommt da einer wirklich raus und sagt “das ist nicht meins” oder “das ist schon gut, was Ihr da bringt, aber es ist nicht mein Geschmack.” Doch die meisten Besucher bleiben.

Habe ich so auch noch nirgendwo gesehen.

Der Normalbürger kennt von den 25 Sachen, die wir anbieten, vielleicht ein oder zwei Acts. Derjenige, der sich mit Musik etwas intensiver auseinander setzt, kennt vielleicht fünf oder sechs. Und gerade weil unser Programm so vielseitig und weit gestreut ist, machen wir dieses Angebot “For Real Music Lovers”. Soll heissen “Schnuppert halt mal rein, auch wenn Ihr es nicht kennt”.

Weil Du gerade das vielseitige Programm angesprochen hast. Nach welchem Strickmuster gehst Du vor, um die Bands zu engagieren?
Oh, das ist ein schwierige Frage, weil es auch sehr oft von Zufällen abhängt. Qualität ist ganz wichtig. Aber wir müssen als kommerzielle Betreiber das Bauchgefühl haben, dass sich eine Veranstaltung trägt oder wir müssen das Bauchgefühl haben, das wir in einen Act investieren, der irgendwann auch wirtschaftlich ein Erfolg wird. Wir legen das erste Mal manchmal drauf und wenn wir die Band wieder einladen, hat es sich herum gesprochen und irgendwann haben wir vielleicht auch einmal ein volles Haus mit diesem Act. Gewisser kommerzieller Zwang unterliegt fast allem - und da stehen wir auch dazu, da wir ohne öffentliche Unterstützung auskommen wollen.

Es gibt wohl auch Agenturen und Künstler, die gerne wieder kommen.

Gut - wir sind natürlich auch abhängig von Tourneen. Wir können ausländische Bands nicht einfach einfliegen, das ist viel zu teuer. Es muss eine Tournee sein, dann teilen sich die Veranstalter Flugkosten, Tourkosten und Gagen untereinander auf. Ein anderes Kriterium: Ich will auf jeden Fall immer Elemente von hoher künstlerischer Qualität haben, weil wir andererseits auch jede Menge Sachen haben, die sehr unterhaltsam sind oder einfach musikalisch originell. Das muss sich die Waage halten. Aus diesen vier Komponenten Qualität, Wirtschaftlichkeit, Anspruch aber auch reine Unterhaltung setzt sich unser Programm zusammen.

Was das Engagement anbetrifft, kann ich sagen, dass 80% der Angebote auf uns zu kommen. Die kommen als Offerten von Bands oder Agenturen. Aber wir erarbeiten uns auch 20% per Recherche und fragen uns: “Wo gibt es etwas neues Interessantes? Sehen wir da ausreichend Publikum für diesen Act? Zieht die Band? Ist es einigermassen wirtschaftlich? Aber wir nutzen das lokale Netzwerk unserer Agenturen und Bands und wir sind mittlerweile so gut aufgestellt, dass wir Angebote per eMail frei Haus geschickt bekommen und wir dann auswählen können.

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In der Regel geht bei den Konzerten im Colos-Saal voll die Post ab - die Besucher kommen von überall her - ich konnte schon bundesweit Kontakte schliessen mit Musikfans aus allen Genres.